Melatenfriedhof (Köln)

Der Monatswechsel vom Oktober zum November ist – thanatologisch gesehen – einer der interessantesten Zeitpunkte im ganzen Kalenderjahr. Während in den USA (und zunehmend auch in Deutschland) „Halloween“ und in Mexico der „Día de los Muertos“ gefeiert wird, begeht Deutschland seine ruhigen Totengedenktage Allerheiligen und Allerseelen. Viele Menschen nutzen diese Tage für einen besinnlichen Gang über den Friedhof. Manche besuchen dabei gezielt ihre Verwandte, andere begeben sich auf touristische Entdeckungstour. Zur letzteren Gruppe gehörte auch ich dieses Jahr. Ein Besuch auf dem wohl bekanntesten Kölner Friedhof stand auf dem Tagesplan für Allerheiligen: Ein Ausflug nach Melaten.

Dieser 1810 geweihte Friedhof entstand einst aufgrund eines Napoleonischen Dekrets, welches die Bestattung der Toten innerhalb von Städten und besonders auch innerhalb von Gebäuden (Kirchen) untersagte. Einmal eingeweiht, wuchs der Friedhof dann schnell an. Heute umfasst er eine Gesamtfläche von 43,5 Hektar. Auf dieser Fläche sind u. a. mehr als 2.800 denkmalgeschützte, historische Gräber zu sehen, die diesen Friedhof zu einem bedeutsamen Ort für die Kölner Stadtgeschichte machen.

An Allerheiligen wird dies besonders deutlich. Viele Gräber bedeutender Kölner, die auf Melaten bestattet wurden, sind mit Gedenkkränzen der Stadt geschmückt, was sie deutlich hervorstechen lässt. Ehemalige Bürgermeister findet man hier, aber auch andere lokale Größen: Künstler und Unternehmer etwa. Manchmal verblüfft die Art und Weise wie die Stadt dabei mit den Wendungen der Zeitgeschichte umgeht. So fand ich eher durch Zufall das Grab des während der NS-Diktatur regierenden Bürgermeisters von Köln: es liegt ungeschmückt (aber auch nicht verkommen) unter einem Gebüsch versteckt. Prominenter sind da die zu Allerheiligen markant geschmückten Erinnerungsfelder für die Opfer von Gewaltherrschaft und Terror, sowie die Ehrengräber gefallener deutscher Soldaten aus den unterschiedlichsten Kriegen seit Eröffnung des Friedhofs gelegen. Doch bei all diesen „öffentlichen“ Gräbern sollte man nie vergessen, dass auch ganz normale Privatpersonen ihr Grab auf diesem Friedhof gefunden haben. Viele äußerst individuell gestaltete Gräber, teils mit Fotografien versehen, erwarten denjenigen, der auch etwas abseits der Hauptwege wandert.

An Allerheiligen und Allerseelen ist der Friedhof für solche Erkundungstouren sogar besonders lange geöffnet. Die Friedhofsverwaltung trägt mit der Erweiterung der Öffnungszeiten an diesen Tagen auch dem großen Interesse der Kölner Bevölkerung Rechnung, diese interessante Stätte Kölner Geschichte zu besuchen. An den Feiertagen ist der Friedhof mit Besuchern gefüllt. Fast möchte man sagen: überfüllt. Sogar Bettelbanden haben die Anziehungskraft des Friedhofs an diesen Tagen erkannt und sind entsprechend präsent, um ihrem Gewerbe nachzugehen – ihre Präsenz ist ein merkwürdiger Bruch in der ansonsten schönen Atmossphäre des Ortes.

Leider war mein Streifzug über diesen schönen Friedhof am gestrigen Tag viel zu kurz. Ich bin mir sicher, dass ich wiederkommen werde. Dann aber auf jeden Fall besser vorbereitet, denn: Melaten kann zwar auch schön sein, wenn man unbedarft einfach hindurchschlendert, doch bin ich mir sicher, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt, wenn man sich ein wenig auf seinen Besuch vorbereitet hat. Zu einer solchen Vorbereitung bietet sich die vielfältige Literatur an, die im Buchhandel erhältlich ist. Als Beispiel sei etwa der Band von Detlef Rick „Melaten. Gräber erzählen Stadtgeschichte.“ genannt, der im Kölner Emons-Verlag erschienen ist.

Weitere Literatur und noch viel mehr Informationen rund um Melaten sind auch auf www.melatenfriedhof.de zu finden.

In der Reihe „Streifzüge“ sollen in unregelmäßiger Folge Artikel zu Besuchen von thanatologisch interessanten Orten wie etwa Museen, Gedenkstätten und Friedhöfen erscheinen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s