Walt Disney’s „The Skeleton Dance“

Bei der Erwähnung des Namens „Walt Disney“ werden die meisten wohl kaum an Tod und Sterben denken. Vielmehr fallen einem erst lustige Figuren wie „Mickey Maus“ und „Donald Duck“ oder Filme wie „Bambi“ (1942), „Die Hexe und der Zauberer“ (1963) oder „Der König der Löwen“ (1994) ein. Klassiker, die die Kindheit vieler Menschen geprägt haben. Disney ist bekannt als Unterhaltungskonzern, der von Abenteuern, Heldengeschichten und großer Liebe erzählt.

Dass Disney von 1929-1939 auch Filme ohne seine berühmtesten Figuren produzierte, Filme bei denen, wie es in der Wikipedia heißt: „anstelle wiederkehrender Figuren die visuelle Umsetzung von Musik im Vordergrund stehen sollte“, wissen wohl die wenigsten. Auch ich bin erst jüngst auf diesen Umstand aufmerksam geworden. In der 11. Jahresgabe der Europäischen Totentanz-Vereinigung weist Mischa von Perger im Nachwort darauf hin, dass es zwischen 1929 und 1934 „eine ganze Lawine von animierten Skeletten [gab], die nun die Kinoleinwände bevölkerten“ (S. 23). Der Auslöser für diese Welle von makabren Zeichentrickfilmen war „The Skeleton Dance“ von 1929, der erste Disney-Film aus der „Silly Symphonies„-Reihe – eben jener Serie von kurzen Cartoons ohne die bekannten Figuren.

Dank Youtube ist dieser Film im Internet verfügbar und soll den Lesern von ThanatoBlog nicht vorenthalten werden:

Der nur gut fünf Minuten lange Film zeigt einen Friedhof bei Nacht, auf dem von Mitternacht bis zum Krähen des Hahns am frühen Morgen die Toten im wahrsten Sinne des Wortes auf ihren Gräbern tanzen und musizieren. Die Zeichnungen der Skelette sind anatomisch nicht besonders akkurat, aber darum ging es den Machern auch wohl kaum. Stattdessen bietet der Film die Gelegenheit, sich in angenehmer Weise zu gruseln – oder besser: er bot diese Gelegenheit. Heute locken die Zeichnungen wohl kaum noch mehr als ein Schmunzeln hervor. Den Grund dafür hat Uli Wunderlich, die Präsidentin der ETV im Vorwort der 11. Jahresgabe präzise beschrieben: „Heut sind – insbesondere in der Jugendkultur – beinahe überall einzelne Schädel und Gebeine zu entdecken […]. Infolgedessen hat das Logo des Todes viel von seiner Wirkungskraft verloren.“ (S. 3). Stattdessen ist vielmehr die Freude, der Spaß, den die Skelette bei ihrem Treiben zeigen, geradezu ansteckend und steht im direkten Gegensatz zur sonst doch eigentlich so trüb-tristen, schaurig-makabren Szenerie. Man fühlt sich eventuell auch an eine Szene aus Tim Burtons „Corpse Bride“ erinnert, in der die Toten in ähnlich ausgelassener Art feiern.„The Skeleton Dance“ ist jedenfalls ein Disney-Film, den man sich als Kontrast zum sonstigen Programm aus dieser Fabrik merken sollte.

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Ein Gedanke zu „Walt Disney’s „The Skeleton Dance“

  1. fleure85

    Wow, was für eine schöne Entdeckung! Auch wenn Katzen natürlich nicht aus ihrem Fell rauskönnen und ein Kauz nicht so all seine Federn verlieren 🙂 Aber das ist echt süß gemacht- aber unglaublich, dass Menschen sich vor so was gegruselt haben sollen!

    Antwort

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