Rudi Hurzlmeier „SensenMan“

„Who the fuck is Sensenman?“ Rudi Hurzlmeiers einleitende Frage ist so trivial wie kompliziert. Denn der SensenMan ist natürlich niemand anderes als unser guter alter Bekannter, der Schnitter höchstpersönlich. Allerdings ist er im vorliegenen Band eben auch noch etwas anderes: Er ist ein Held! Eben der mit der Sense. Warum ist er ein Held? Weil er uns zum Lachen bringt, zumindest zum Schmunzeln, vielleicht auch manchmal zum Nachdenken. Kurzum: Weil er uns unterhält – auf die eine oder andere Art. Meistens mit ziemlich trockenem Humor, aber immer mit schwarzem… Der Tod als Retter in der humorlosen Trübsal?

Der von Hurzlmeier herausgebene Band ist Ausdruck dessen, was derzeit in der deutschen Cartoonisten-Szene gang und gäbe ist: Der Tod wird nicht nur bei Joscha Sauer (weithin bekannt durch seine „Nicht Lustig„-Cartoons) zum Protagonisten, sondern auch bei vielen seiner (den meisten Menschen eher unbekannten) Kollegen. Im Moment des Todes scheint ein besonderer Reiz für Komik zu liegen, speziell, wenn man auf der einen Seite eine anthropomorphe Figur zur Verfügung hat, der man ganz unterschiedlichste Verhaltensmuster zuschreiben kann, und auf der anderen Seite das Sammelsurium an Menschen, wie sie leibt und stirbt – mit all ihren Alltäglichkeiten und Besonderheiten. Da ist es nur folgerichtig, dass eine breite Auswahl an Ansichten, Stilen und Interpretationen des Sensenmannes bei der Berufsausübung in einem kleinen Bildband vereint wird, um dem Publikum die mannigfaltige künstlerische Vielfalt zu präsentieren, die nur widerspiegelt, wie abstrus und absurd das Leben der Tod doch oft sein kann – und wohl auch ist.

Um doch noch ein wenig Orientierung (und vielleicht auch Vergleiche?) zu ermöglichen, hat der Herausgeber das Buch in insgesamt 16 Themenkapitel unterteilt: beginnend bei „Haustürgeschäften“, über „Knochen-Jobs“, „Kommt vor“ und „Zufallsbegegnungen“ bis hin zum legendären „Ex und hopp“ begleiten wir den Tod durch die Höhen und Tiefen seines Berufs und seiner Existenz. Da offenbart sich der Kuttenträger als Buch-Autor, Sensen-Lobbyist, routinierter Gast am Krankenbett, tödlich guter Liebhaber, Scherzkeks, Fußballfan (na, erraten Sie den Verein?), aktiver Sportler, schlechter Verlierer, zuverlässiger Mitarbeiter, u.v.m.  Nicht immer sind Gag und/oder Zeichenstil gelungen, aber die Mehrheit weiß doch auf zumeist trockene Art zu überzeugen und dem Rest kann man getrost den Titel „Kalauer“ oder „schlechter Witz“ verleihen. Besonders zu empfehlen sind die Cartoons von Tom (auch bekannt aus der taz), von Harm Bengen (der einen, wie ich finde, äußerst gelungenen Stil pflegt), Miguel Fernandez (für den das Gleiche gilt) und Michael Holtschulte (Tot aber lustig).

Daten und Fakten: SensenMan. Die lustigsten letzten Stündlein. Herausgegeben von Rudi Hurzlmeier. Mit Cartoons von Beck, Harm Bengen, Bettina Bexte, Fernandez, Greser & Lenz, Michael Holtschulte, Rudi Hurzelmeier, Jannis, Kittihawk, Til Mette, Mil, Mock, Peng, Ari Plikat, Horst Pohl, Polo, Andreas Prüstel, Rattelschneck, Stephan Rürup, Peter Thulke, Tom, Miriam Wurster. Oldenburg: Lappan 2011. Hardcover, 128  S.,  € 9,95 , ISBN 978-3-8303-3273-2.

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