Derek Landy „Skulduggery Pleasant“

Die Zeiten haben sich geändert: Taugten Untote in der Fantasy-Literatur bislang zumeist nur als schaurige Antagonisten oder hirnlose Horrorgestalten, so beweist der Ire Derek Landy, dass dieses Klischee inzwischen überholt ist. Denn die für seine inzwischen fünfteilige Jugendbuchreihe „Skulduggery Pleasant“ namensgebende Hauptfigur ist erstaunlicherweise: ein wandelndes Skelett. Und nein, der Autor schreibt keine Geschichte, die aus der Perspektive des Bösewichts erzählt wird. Skulduggery Pleasant ist seines Zeichens vielmehr ein Detektiv, der höchstselbst magische Schurken jagt, darunter so illustre Gestalten wie den ehemals gefährlichsten Zauberer Mevolent oder dessen rechte Hand Nefarian Serpine, der, so stellt sich bald heraus, nicht nur ein böser Nekromant, sondern auch noch selbst eine Art Untoter ist, womit er versucht, seinem endgültigen Ende zu entgehen, denn: „There’s an old Necromancer saying – you can’t kill what’s already dead.“

Schon mit dieser Paarung – untoter Skelettdetektiv gegen untoten Zombie-Nekromanten – bringt Landy frischen Wind in das Genre der phantastischen Literatur, ohne allerdings alle althergebrachten Muster fallen zu lassen. So gesellt er Skulduggery Pleasant eine junge menschliche Magierin, Stephanie, hinzu, die sich später den Namen Valkyrie Cain gibt (was selbst Skulduggery kurz morbid findet!), und die für die Leser der Bücher die wohl eigentliche Identifikationsfigur sein dürfte, u.a., weil die Geschichte größtenteils (aber eben nicht vollständig!) an ihren Standpunkt gebunden scheint. Auch bleibt die Aufteilung in „gute“ und „schlechte“ Magie bestehen; ganz konkret werden nekromantische Praktiken deutlich verurteilt, wobei die Frage offen und spannend bleibt, wie Skulduggery persönlich es eigentlich wieder zurück unter die Lebenden geschafft hat. Ob hier auch Magie im Spiel war, oder ob es sich um eine Anlehung an den alten Volksglauben handelt, dass Verstorbene, die noch eine unerledigte Aufgabe zurückgelassen haben, als Wiedergänger ihren Weg zurück finden, wird zumindest im ersten Band nicht geklärt, wobei gegen die zweite Möglichkeit spricht, dass der Skelett-Detektiv zum Ende der Auftaktgeschichte sein ursprünglich vor seinem ersten Ableben begonnenes Werk schließlich doch noch vollendet und trotzdem nicht aus der Welt der Lebenden verschwindet.

Sollte allerdings tatsächlich Magie – und in diesem Fall dann wohl eine Form der Nekromantie – im Spiel gewesen sein, so wäre Skulduggerys Wiedererweckung das erste Beispiel für die positive Anwendung dieser Art von Zauberei. Die anderen, im ersten Band erwähnten Beispiele nekromantischer Manipulation sind alle eindeutig negativ konnotiert, so etwa die Technik der „Roten Rechten Hand“, die Nefarian Serpines Hauptwaffe darstellt und die durch einfaches Zeigen einen Tod durch unvorstellbar große Schmerzen herbeiführt; oder die Wiederbelebung eines getöteten Gegners als Zombie, um diesen gegen seine eigenen Freunde einzusetzen sowie das „schwarze Blut“, welches den Körper unverwundbar zu machen scheint. Es sollte im Übrigen inzwischen deutlich geworden sein, dass Landy den Begriff „Nekromantie“, wie im Prinzip alle Fantasy-Autoren der Gegenwart, in der modernen Form als Synonym für „Todesmagie“ („death magic“) verwendet. Er selbst bietet diese Übersetzung in seinem Buch an. Dies bestärkt mich wiederum, mich baldmöglichst des Buchs von Daniel Ogden zum Thema anzunehmen, um noch deutlicher für begriffliche Klarheit werben zu können.

Über diesen Aspekt hinaus bietet Landy seinen Lesern eine Welt, die sich vor allem über ihre Düsternis und die Magie definiert. So erhält Stephanie nicht nur einen komplett nachtschwarzen, magischen Schutzanzug, sondern der Schneider heißt auch noch „Ghastly Bespoke„. Des Weiteren sind die grauen Soldaten des „Elder Council“ mit Sensen bewaffnet. Vampire gibt es in Landys Geschichte dann auch noch, aber zum Glück nicht in der jüngst so populären Fassung des androgynen Frauenhelden, sondern stattdessen als reißende Bestien, gefährliche Jäger in der Nacht. Daneben lauern natürlich menschenfressende Trolle unter dunklen Brücken. Nicht zuletzt strotzt das Buch nur so vor schlagfertig-schwarzem Humor. Speziell der Protagonist weiß sich mit sarkastischen, zynischen und teilweise auch fatalistischen Kommentaren beinahe jeder Situation zu erwehren und seine Schülerin Stephanie tut es ihm an so mancher Stelle gleich. Im Gegenzug gerät aber auch die Schilderung emotional dichter Geschehnisse nicht zu flach. Ganz im Gegenteil mutet der Autor seinen Lesern sogar die Erfahrung zu, den bevorstehenden Tod einer Figur durch deren Augen mitzuerleben und erzeugt so nicht nur ehrliche Anteilnahme, sondern eine ganz bewusste atmosphärische Zuspitzung.

Ein ganz besonders origineller Einfall Landys soll aber am Ende noch eigens herausgestellt werden: Zwar altern Magier, aber sie altern in der Welt von Skulduggery Pleasant deutlich langsamer als normale Menschen, denn der Gebrauch einer gewissen Menge Magie verjüngt den Körper und hält ihn gesund. Wer möchte da nicht auch wie Stephanie selber ein Magier sein?

Daten und Fakten: Derek Landy: Skulduggery Pleasant. London: HarperCollins 2007. 399  S.,  £ 6,99 , ISBN 978-0-00-724162-0.

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