Henning Poehl „Rolling Bones“

Bereits im März und im Juli dieses Jahres berichtete ThanatoBlog über Spiele des Autors und Verlegers Henning Poehl. Dabei handelte es sich aber, wenn man es denn ganz genau nimmt, nur um die Aufarbeitung älterer, teils schon seit vielen Jahren im einschlägigen Fachhandel erhältlicher Produkte. Doch es gibt glücklicherweise auch ganz frische Neuheiten: Pünktlich zur diesjährigen Spielemesse in Essen hat der Sphinx Spieleverlag einen dritten makabren Streich Poehls veröffentlicht. Bei „Rolling Bones“ ist der Name Programm: Handelte es sich bei „Totentanz“ (2005) um ein taktisches Karten- und bei „Dia de los muertos“ (2007) um ein rasantes Brettspiel, so vervollständigt der Spiele-Entwickler mit seinem neuesten, streng limitierten Werk, einem reinen Würfelspiel, die Genre-Palette.

Die Ausgangsituation zum Spiel der „rollenden Knochen“ kann man sich in etwa so vorstellen: In einem Beinhaus – oder an einem ähnlichen Ort, an dem viele, viele Knochen herumliegen – kommt es zu einem großen Tumult. Die Knochen wirbeln alle wild durcheinander. Doch nun muss wieder aufgeräumt werden. Passende Knochen, also solche, die alle zu einem ursprünglichen Skelett gehören, müssen zusammengesucht und sollen dann möglichst vollständig beerdigt werden (der Fachmann würde in einem solchen Fall wohl von einer umgekehrten „Zweibestattung“ sprechen, vgl. den entsprechenden Artikel in Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Hrsg. v. Zentralinstitut für Sepulkralkultur, Bd. 1, 2002).

Im Spiel stellt sich dieser Ablauf folgendermaßen dar: Die Spieler sind bei „Rolling Bones“ immer nur nacheinander an der Reihe, so wie bei vielen anderen bekannten Würfelspielen auch. Zu Beginn des eigenen Spielzugs erhält der Spieler das komplette Set aus insgesamt 18 Spezialwürfeln, die jeweils verschiedene Knochenteile sowie einige wenige Zusatzsymbole zeigen. Man rollt nun ein erstes Mal alle Würfel zugleich und versucht mit dem gewürfelten Ergebnis, ein möglichst vollständiges Skelett zu legen (eine Vorlage dazu findet sich in der Spielregel). In diesem dürfen aber keine Knochenlücken auftauchen. Hat man eines der Sondersymbole, nämlich den Grabstein erwürfelt, kann man seinen Zug dann bereits an dieser Stelle beenden. Jeder richtig angelegte Knochen gibt nun Punkte – und wenn das Skelett einen Hut auf seinem Schädel trägt (das zweite Sondersymbol), dann verdoppeln sich die Punktwerte sogar. Besonders spannend wird es aber erst, wenn der erste Wurf nur ein sehr unvollständiges Gebein hervorgebracht hat und/oder kein Grabstein gewürfelt wurde. Dann muss man einen (oder evtl. sogar mehrere) Ergänzungswürfe werfen. Dazu nimmt man alle Würfel, die man nicht für eine spätere Wertung liegen lassen möchte, wieder auf und wirft sie erneut – nachdem man vorher die Kosten für den jeweiligen Wurf bezahlt hat! Denn jeder Ergänzungswurf reduziert die Anzahl Würfel, die man noch einmal werfen darf. So kostet der erste Ergänzungswurf nur einen Würfel, den man aus der Hand und damit komplett aus dem Spiel nehmen muss, der zweite aber schon zwei, was die Gesamtzahl der Würfel schon um drei verringert, und so weiter. Da jeder verlorene Würfel auch potentiellen Punkten entspricht, lohnt es sich sehr schnell nicht mehr, einen weiteren Ergänzungswurf durchzuführen. Zumal es ein weiteres Risiko gibt: Man muss einen Grabstein erwürfeln, um das Gerippe beerdigen, d.h. seine Runde mit Punkten abschließen zu können. Erwürfelt man sich keinen solchen, so verfallen die bisherigen gesammelten Knochen – und der nächste Spieler ist an der Reihe.

Die oben bereits verlinkte, offizielle Spielregel beinhaltet noch ein paar Zusatzinformationen über den Umgang mit besonderen Situationen und die Details der Punktewertung, aber im Großen und Ganzen ist das komplette Spiel mit diesen wenigen Worten vollständig erklärt. Dementsprechend schnell ist es zu lernen und so bedarf es keiner langen Lektüre und keiner ausufernden Vorträge über Raffinessen und Spezialfälle, um gemeinsam mit Freunden, die vielleicht noch nie vorher von „Rolling Bones“ gehört haben, eine amüsante Zeit zu verbringen. Die Siegesbedingung, im Original auf das Erreichen von 100 Punkten festgesetzt, kann nach Lust und Laune verändert werden, um die Dauer des Spiels zu beeinflussen – wobei aber auch die Anzahl der Spieler berücksichtigt werden sollte.

Es ist wieder einmal sehr angenehm zu sehen, wie rund ein Spiel sein kann. Von der Spielidee über die -mechanik bis hin zur Gestaltung passt bei „Rolling Bones“ wieder alles zusammen. Leider ist das Kleinod auf nur 500 Exemplare limitiert – wird dafür aber in einem sehr schicken, aus schwarzem Samtstoff hergestellten Würfelbeutel mit Titelaufdruck geliefert. Selbst hierbei wurde an alles gedacht: So liegt der Lieferung ein Hinweis bei, dass der Druck auf dem Beutel schnell an Farbe verliere und hierdurch einen Eindruck von Vergänglichkeit vermitteln solle. Wenn das nicht eine gelungene Idee ist, die die Atmosphäre der Poehlschen Spiele unterstützt! Es bleibt mir nur, die Knochenwürfel rollen zu lassen und mich auf weitere entsprechend makabre Werke aus der Feder des Autors zu freuen.

Daten und Fakten: Rolling Bones. Ein Würfelspiel von Henning Poehl. Mit Illustrationen von Michael Holtschulte. Dossenheim: Sphinx Spieleverlag 2011.  ca. € 9,95. – Informationen vom Hersteller: für 2 und mehr Spieler ab 8 Jahren.

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