Tod und Sterben in der Antike

Bereits seit dem Band „Sterben und Tod“ aus dem Jahre 2010, hrsg. von Héctor Wittwer, Daniel Schäfer und Andreas Frewer, verlegt die in Darmstadt ansässige Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) in Kooperation mit einem namhaften Fachverlag (J. B. Metzler) ein interdisziplinäres, thanatologisches Nachschlagewerk mit hohem Nutzwert für Forschung und Lehre (ThanatoBlog berichtete). Mit der Neuveröffentlichung „Tod und Sterben in der Antike“, hrsg. von Dennis Graen, wird die Produktpalette nun – dank der Zusammenarbeit der WBG mit dem Verlag Konrad Theiss – noch erweitert. Konzentriert sich das ältere Lexikon „Sterben und Tod“ vor allem auf Überblicks-Darstellungen zu naturwissenschaftlichen, anthropologischen und ethisch-normativen Fragen der Gegenwart, beleuchtet der neue Band „Tod und Sterben in der Antike“ insbesondere die immense Bedeutung der allgegenwärtigen Todeserfahrung der Menschen des Altertums, die sich im ausgeprägten und differenzierten Totenkult dieser Epoche äußert.

Zwar handelt es sich bei dem hier besprochenen Buch wegen der fehlenden alphanumerischen Sortierung der Lemmata nicht um ein Lexikon im klassischen Sinn (was auch für das Handbuch zu „Sterben und Tod“ gilt), aber dank einer sehr feinen inhaltlichen Gliederung sowie eines ausführlichen Anhangs bestehend aus Zeittafeln, einem umfassenden Glossar, einer weiterführenden Bibliographie und dem unverzichtbaren Register erfüllt es alle Aufgaben eines eben solchen. Der eigentliche Textkorpus ist in acht Hauptkapitel unterteilt, die sich differenziert den Themenbereichen „Jenseits“, „Bestattungsarten“, „Bestattungsriten“, „Friedhöfe“, „Bestattungsformen“, „Grabbauten“, „Grabmonumente“ und „Todesursachen“ widmen. Jedes dieser Kapitel ist zudem noch einmal in knappe Unterkapitel zergliedert – wobei das immer wiederkehrende Muster der kulturellen Abgrenzung zwischen diesen Abschnitten dominant ist, wie am folgenden Beispiel gezeigt werden soll.

Im Inhaltsverzeichnis heißt es etwa zum Kapitel 7 „Grabmonumente“

7. Grabmonumente

7.1 Grabvasen

7.1.1 Ägypten

7.1.2 Griechenland

7.1.3 Italien und das Römische Reich

7.2 Grabskulpturen

7.2.1 Ägypten

7.2.2 Griechenland

7.3 Grabreliefs

7.3.1 Ägypten

7.3.2 Griechenland

7.3.3 Hellenistische Totenmahlreliefs

7.3.4 Rom

[… usw.]

Der Text selbst zeichnet sich durch sehr gute Lesbarkeit aus, die sowohl vom ausgezeichneten Satz und Druck, wie auch von einem verständlichen, knapp formulierenden Duktus herrührt. Zwar empfiehlt es sich vor allem für interessierten Laien, beim Lesen ein (gutes, ausführliches) Fremdwörterbuch zur Hand zu haben, jedoch ist die Frequenz der Fachausdrücke zu keiner Zeit übertrieben. Die Autoren schreiben wissenschaftlich, nüchtern, aber sie wollen sich eindeutig einem breiten Publikum präsentieren. Einhundertundacht funktionale, stets schwarz-weiße Abbildungen ergänzen den zweispaltigen Text; die meisten sind semi-professionelle Fotografien von archäologischen Fundstücken, dazwischen gibt es aber auch einige Zeichnungen, wie etwa eine Rekonstruktion des Mausoleum des Augustus und ein Plan des Königsfriedhofs in Gizeh. Einige der Fotografien könnten gerne etwas heller sein, ansonsten sind die Abbildungen jedoch durchweg gut zu studieren.

Ähnlich wie auch schon beim oben erwähnten Handbuch „Sterben und Tod“ merkt man dem Band „Tod und Sterben in der Antike“ an, dass er von Fachleuten, sowohl auf Seiten der Wissenschaft wie auf Seiten des Verlages, geschaffen worden ist. Die inhaltliche Qualität des Bandes im konkreten Forschungsfall sollte deshalb auch außerhalb der wenigen Stichproben, die für diese Besprechung gemacht wurden, entsprechend hoch sein. Sie wird jedenfalls in den kommenden zwei Monaten intensiv auf die Probe gestellt werden, denn ThanatoBlog wird sich im Februar und März noch eingehender mit thanatologischen Themen im antiken Kontext befassen. So etwa mit „Bestattung und Bestattungswesen im Römischen Reich“, einer Veröffentlichung von Stefan Schrumpf (2006), sowie mit Daniel Ogdens „Greek and Roman Necromancy“ (2001). Graens Werk wird hier als Orientierungspunkt dienen. Eventuell wird eine inhaltliche Kritik des Bandes dann später an dieser Stelle nachgetragen und deren Veröffentlichung separat bekanntgegeben.

Daten und Fakten: Tod und Sterben in der Antike. Grab und Bestattung bei Ägyptern, Griechen, Etruskern und Römern. Herausgegeben von Dennis Graen, mit Beiträgen von Jana Brückner und Henning Wabersich. Stuttgart: Konrad Theiss 2011. Hardcover, 274  Seiten,  € 39,95, ISBN 978-3-8062-2306-4. – Die Mitglieder der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt können den Titel als Lizenzausgabe für nur € 29,90 unter der ISBN 978-3-534-22792-1 erwerben. Die Lizenzausgabe der WBG war auch Grundlage für die hier veröffentliche Buchvorstellung.

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