Javier Recio Gracia „The Lady and the Reaper“

Der eigentlich für den Monat März auf ThanatoBlog geplante Artikel kann aus beruflichen und persönlichen Gründen leider nicht so erscheinen, wie eigentlich geplant. Ich möchte aber die sich hiermit bietende Gelegenheit nutzen, um in aller Kürze auf einen spanischen Animationsfilm von Javier Recio Gracia aufmerksam zu machen, der sehr unterhaltsam den Kampf zwischen dem zur menschlichen Natur gehörenden Tod und der modernen, lebensverlängernden Medizin zum Thema macht.

Mit dem 8-Minüter „La Dama y la Muerte“ (2009) bezieht der Regisseur in diesem Streit nämlich sehr klar Stellung – auf der Seite der Patienten. Denn obwohl die alte Dame, die wir am Anfang des Filmes kennenlernen, sich darüber freut, mit dem Tod ins Jenseits hinüberwechseln zu können, tut sie dies nicht etwa, weil sie in den Schnitter selbst verliebt ist, sondern weil sie hofft, auf der anderen Seite ihren schon früher verstorbenen Ehemann wieder zu sehen. So bekommen sowohl der grimmig schauende Sensenmann wie auch der selbstverliebte Arzt, der die ältere Dame seines Berufes und Erfolges wegen dem Tod entreißen will, beide ihr Fett weg – und trotz des Todes der Frau am Ende kann sich der Gevatter noch lange nicht als Sieger in dieser Auseinandersetzung freuen – denn nicht er, sondern die Frau hat schließlich ihr Leben und ihren Tod selbst in die Hand genommen.

Ein herzhaftes Plädoyer für die jeweils individuelle Verantwortung jedes einzelnen Menschen für den eigenen Tod und das eigene Sterben – jenseits von natürlicher Bestimmung und medizinischer Machbarkeit. Wir sollten vielleicht einfach mehr darauf hören, was die Menschen für sich selber wirklich wollen.

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Ein Gedanke zu „Javier Recio Gracia „The Lady and the Reaper“

  1. Unzeitgemäß

    „Ein herzhaftes Plädoyer für die jeweils individuelle Verantwortung jedes einzelnen Menschen für den eigenen Tod und das eigene Sterben“

    Stimmt – aber somit ist es auch ein Plädoyer für einen sozialen und verantwortlichen Umgang mit dem Tod und dem Sterben der anderen, was eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Tod und seine Bedeutung für ein gutes Leben notwendig macht.

    Es mag paternalistisch sein – aber so scheint es durchaus plausibel und notwendig staatliche Anlässe zum Nachdenken zu schaffen, wenn man sich nicht von selbst mit dem Tod auseinandersetzt und so sich z.B. bewusst entscheidet, ob man seine Organe nach dem eigenen Ableben spenden will oder nicht: http://www.tagesschau.de/inland/organspende144.html

    Antwort

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