Raumtheater „Im Reich der Schatten“

Wer in nächster Zeit in Rheinland-Pfalz unterwegs ist, oder wer direkt die Stadt Trier besucht und dabei mindestens drei Stunden für einen Besuch im Rheinischen Landesmuseum übrig hat, dem sei neben der Erkundung der Daueraustellung zur Geschichte der Stadt und ihres Umlandes, vor allem die innovative Raumtheater-Inszenierung „Im Reich der Schatten“ dringend empfohlen. Im vollständig verdunkelten Römerflügel des Museums kann man dann direkt zwischen Original-Grabsteinen Zeuge eines mir bislang so noch nicht untergekommenen Lichtspiels werden, das den aufgeschlossenen Besucher mittels vieler großflächiger Projektionen, atmosphärischer, gewaltiger Musik und geistreichen Dialogen in eine andere Welt entführt.

Inhaltlich geht es in der auf so unkonventionelle Weise vorgetragenen Geschichte des Römers Gaius Albinius Asper, dessen Grabmonument in diesem Teil des Museums steht, um die klassische Überwindung des Todes durch die Liebe. Denn als Gaius‘ Frau Secundia stirbt, zögert der am Grabmal trauernde Ehemann keine Sekunde, das Angebot des Merkur anzunehmen, im Totenreich nach Secundia suchen zu dürfen. Was nun folgt ist eine wilde, emotionale Odyssee durch die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens. Begegnungen mit Verstorbenen – eitlen Herrinnen, den Schatten von Schülern und Kaufleuten, von einst erfolgreichen Wagenlenkern, betrügenden Weinhändlern oder verführerischen Tänzerinnen – wechseln sich mit Dialogen zwischen Merkur und Gaius, sowie mit Kontaktversuchen zu Göttern wie Jupiter ab. Gaius wird hin- und hergerissen zwischen den unterschiedlichen Regionen der Unterwelt, immer auf der Suche nach Secundia, die er natürlich nicht findet, bevor er, zusammen mit dem Götterboten wieder in hohem Bogen aus dem Orcus hinausgeworfen wird. Doch ganz umsonst war die Reise am Ende doch nicht für den trauernden Witwer. Denn immerhin eines hat er in der Unterwelt gelernt – eine Weisheit, die oft Marc Aurel zugeschrieben wird: „Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben.“

Eine Aufführung von „Im Reich der Schatten“ bietet 45 (kurzweilige) Minuten lang spannende, aber auch anspruchsvolle Unterhaltung. Die philosophische Grundaussage geht zwar leider an einigen Stellen im audio-visuellen Reizgewitter unter, doch wechseln sich schnelle und langsame Erzählpassagen zumindest ab. Man merkt der Geschichte zudem an, dass sie auf die ausgestellten Fundstücke zugeschnitten wurde, wodurch einige Szenen in ihrer Abfolge leider leicht beliebig und zusammenhanglos wirken. Insgesamt ist die Produktionsqualität aber hoch und diese Schwachstellen sind zu verschmerzen. Ich würde die Inszenierung jederzeit wieder besuchen – dann aber vielleicht doch einen der vom Museum bereitgestellten Klappstühle nutzen. Eine Dreiviertelstunde zumeist still stehen und auf die Wände, die Decke und andere Projektionsflächen schauen, belastet je nach Schuhwerk doch den Rücken.

Umfassende Informationen zur Inszenierung, inkl. Aufführungszeiten, Preisinformationen und Bild-/Tonbeispielen, gibt es auf der offiziellen Seite Im Reich der Schatten.

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