Valerie M. Hope „Death in Ancient Rome“

Jeder Historiker lernt schon sehr früh in seiner Ausbildung, dass die eigene Beschäftigung mit Primärquellen der mit Abstand beste Weg ist, zu neuen und belastbaren Aussagen über die Vergangenheit zu gelangen. Deshalb sollte die Lektüre solcher Quellen auch stets jener von reinen Darstellungstexten vorgezogen werden. Doch leider ist ein entsprechendes Vorgehen nicht immer so einfach, wie es klingt: Gibt es, wie zum Beispiel im Falle des altertümlichen Römischen Reiches, einen großen Überlieferungsbestand zu sichten, ist jeglicher Versuch, sich ohne fachkundige Hilfe durch die Masse an Informationen hindurcharbeiten zu wollen, zum Scheitern verurteilt. Es ist daher nur zu begrüßen, wenn Valerie M. Hope mit ihrem Quellenband „Death in Ancient Rome“ eine erste Orientierung anbietet.

In insgesamt sechs umfangreichen Kapiteln sammelt Hope Auszüge, etwa aus römischer Dichtung, Briefen und philosophischen Texten sowie aus Epitaphen und anderen Inschriften zu den Kernbegriffen Dying, Mortality and Memory, Funerals, The Cemetery, Grief und The Afterlife, denen sie zudem zwanzig Abbildungen zur Seite stellt. Den einzelnen Quellen beigegeben ist jeweils eine Angabe zur Fundstelle, sowie sehr häufig auch eine kontextualisierende Einleitung, die etwa in der Quelle erwähnte Personen näher erläutert. Jedoch vermeidet es die Autorin bewusst, die Texte ausführlich zu kommentieren. Das würde wiederum den unvoreingenommenen Blick auf das Material verstellen. Zwischen den einzelnen Quellen finden sich zudem (meist sehr knappe) Einschübe, die Unterthemen problematisieren, Verweise zu anderen Fundstücken im Band aufzeigen oder das gerade Zitierte in Beziehung zu nicht im Band wiedergegebenen Materialien setzen. Eröffnet wird jedes Kapitel von einer ein- bis zweiseitigen Einführung in die jeweilige Thematik und die Ordnungstrukturen des folgenden Abschnittes.

Hope fokussiert ihre Sammlung auf die Stadt Rom selbst und Italien im Zeitraum vom ersten vorchristlichen bis ins zweite nachchristliche Jahrhundert, und versucht so, die „zentral-römische“ Perspektive auf Tod und Sterben einzufangen. Dabei verfolgt sie primär einen kritisch-interdisziplinären Ansatz, indem sie Quellen aus vielen verschiedenen Gattungen berücksichtigt und diese, etwa durch Querreferenzierung, zueinander in Beziehung setzt. Nur so könne man ihrer Ansicht nach einen zumindest halbwegs verlässlichen Zugriff auf die Vergangenheit erhalten, auch wenn selbst das Ergebnis eines solchen ganzheitlichen Ansatzes trotz allem mit ziemlicher Sicherheit nicht den tatsächlichen historischen Begebenheiten entspricht, die uns grundsätzlich verwehrt bleiben müssen.

Dem engagierten Versuch der Autorin, eine (zumindest in dieser Form erste) allgemeine und an ein sehr breites Fachpublikum adressierte Einführung in die thanatologischen Phänomene des Alten Roms zu schreiben, wird vor allem durch das ausführliche Literaturverzeichnis Rechnung getragen, welches neben den obligatorischen Vollangaben zu den verwendeten schriftlichen und edierten Quellen auch eine große Auswahl an meist aktuellen Sekundärtexten bereitstellt. Wer Spezialliteratur zu einem bestimmten Kapitel sucht, muss allerdings enttäuscht feststellen, dass die Bibliographie leider keine thematische Gliederung erfahren hat – hier heißt es also im Zweifel: die ganze Liste muss eigenständig und sorgfältig durchgangen und auf die jeweiligen Begriffe hin untersucht werden. Immerhin trägt der – leider nur vier Seiten umfassende – Stichwortindex zumindest in Ansätzen noch zur besseren Nutzbarkeit als Referenzhandbuch bei.Über diese basalen Standards hinaus bietet der Band allerdings keine weiteren besonderen Arbeitshilfen.

Daten und Fakten: Valerie M. Hope: Death in Ancient Rome. A Sourcebook. London: Routledge 2007. (Routledge Sourcebooks for the Ancient World) Softcover, 273 Seiten, aktuell ca. € 33,99, ISBN 978-0415331586.

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