Archiv der Kategorie: Musik

Die Ärzte „Schneller leben“

Bereits 1949 ließen die Drehbuchautoren des Films „Knock On Any Door“ den Schauspieler John Derek in seiner Rolle als Gangster Nick Romano sagen: „Live fast, die young and leave a good-looking corpse“. Seitdem ist dieses Motto vor allem in der Musikszene und hier insbesondere im Bereich des Rock’n’Roll weit verbreitet. Die Kernaussage dieses Sinnspruchs liegt dabei in der Aufforderung zu einem möglichst intensiven Leben. Nichts soll ausgelassen, alle Erfahrungen sollen voll ausgekostet werden – und das im vollen Bewusstsein der Gefahren, die ein solcher Lebenstil mit sich bringt. Zugleich spricht aus dieser Aufforderung die Geringschätzung eines Lebens als bloßes Dahinvegetieren in vermeintlicher Sicherheit, eines stets in Sorge um die eigene Gesundheit und um das mögliche Morgen befindlichen bloßen Seins. Dementsprechend wird auch ein hohes Alter keineswegs als erstrebenswert betrachtet, sondern als von zunehmenden Einschränkungen körperlicher und geistiger Art durchzogenes Übel wahrgenommen. Dass diese Aufforderung nicht nur ein bloß theoretisches (Marketing-)Konstrukt ist, beweisen nach der Auffassung vieler Fans die Mitglieder des euphemistisch Klub 27 getauften Kreises von Musikern, die alle dem eingangs genannten Credo folgten und diese Lebensweise mit einem frühen Tod bezahlten.

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Soap & Skin „Thanatos“

Thanatos – der griechische Tod bzw. nach Freuds Auffassung ein Streben alles Organischen bzw. Lebendigen, in den ursprünglichen Zustand der anorganischen Ruhe zurückzukehren. Diesen Begriff künstlerisch angemessen zu verarbeiten, ist schon häufig versucht worden –  in Bildhauerei, Malerei und Poesie. Eher selten versuchen sich Musiker an diesem Begriff. Noch seltener stellt sich dann das Gefühl der Adäquatheit der Bearbeitung ein. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist vielleicht das folgende Stück von Anja Franziska Plaschg, die spätestens seit der Veröffentlichung ihres ersten Albums „Lovetune for Vaccum“ (2009) unter dem Künstlernamen Soap & Skin eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. Das düstere Musikvideo arbeitet optisch wie akustisch mit den Motiven der Zerstörung, der Auftrennung und der Vergänglichkeit, die im Allgemeinen mit dem Todestrieb in Beziehung gesetzt werden. Die Komposition ist dabei sehr dicht, teilweise nahezu erdrückend und trifft in der Interpretation des eingangs erwähnten Themas ins Schwarze. Mehr muss man nicht sagen, um das Lied an dieser Stelle vorstellen zu wollen.

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