Schlagwort-Archive: Philosophie

Tobias Quast „Der Tod steht uns gut“

Essays sind, ganz besonders in den Geisteswissenschaften, eine zur individuellen Meinungsäußerung wunderbar geeignete Textform. Ohne die meist lästigen, strengen formalen Zwänge einer „echten“ wissenschaftlichen Arbeit lesen sie sich leichter und angenehmer, sind damit oft ideales Mittel, um über einen kleinen Kreis von Fachleuten hinaus auch das breitere Publikum anzusprechen. Große Philosophen haben in Essay-Form veröffentlicht, speziell, wenn es ihnen um existentielle oder ethische Fragen ging, die von Interesse für jeden Einzelnen oder die Gesellschaft im Allgemeinen waren: Montaigne mit seinen Essais (1580-1588) muss als Vater dieser Textgattung sicher zuerst genannt werden; Jean-Paul Sartres Der Existentialismus ist ein Humanismus (1946) sowie Albert Camus‘ Der Mythos des Sisyphos (1942) wären weitere berühmte Beispiele. Auch Tobias Quast hat einen Essay geschrieben, nein, sogar mehrere. Denn eigentlich handelt es sich bei „Der Tod steht uns gut“ um eine schlichte Aneinanderreihung von mehreren eher lose nebeneinanderstehenden Einzeltexten, die nur selten aufeinander verweisen sondern vielmehr ein jeweils eigenes Thema haben – verbunden nur durch eine übergeordnete Agenda.

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phil.COLOGNE

Heute beginnt es, das erste „internationale Festival der Philosophie“. An diversen Plätzen in Köln treffen noch bis Sonntag Philosophen, Medien und die interessierte Öffentlichkeit zusammen, um gemeinsam über Probleme der Gegenwart nachzudenken und zu diskutieren. Die Themen sind vielfältig, rund vierzig Veranstaltungen listet das offizielle Programm. Leider findet sich darunter aber nur eine einzige, die sich explizit mit Fragen des Todes und des Sterbens auseinandersetzt: Am morgigen Donnerstag treffen im Kölner Stadtgarten ab 18 Uhr Johann Friedrich Spittler und Petra Gehring aufeinander und antworten auf die Frage „Gibt es ein Recht zu sterben?“

Leider gibt es keine genaueren Angaben zur Dauer bzw. zur Form des Aufeinandertreffens. Schade, denn man muss immerhin zwischen EUR 14,50 (ermäßigt) und EUR 20 (Abendkasse) für eine Eintrittskarte zahlen und würde eigtl. gern vorher wissen, was einen da nun genau erwartet. Ein omninöser Hinweis auf einen lesenden Schauspieler und den Moderator Jürgen Wiebicke reicht da einfach nicht. Ob mir diese Debatte (wenn es denn eine wird), den Eintritt wert ist, oder ob ich doch lieber noch einmal zu den Leseempfehlungen zur Veranstaltung greife, wird wohl erst spontan entschieden werden.

Alessandro de Michel „Mythos Tod“

Im Rahmen der Recherchen zum jüngsten Artikel Camus und der Tod lag es natürlich nahe, sich auch nach thematischer Sekundärliteratur umzusehen. Leider gibt es zu den Themen Tod und Sterben bei Albert Camus jedoch kaum solche. Ein teurer, aber leicht zu erstehender Print-on-Demand-Aufsatz von Alessandro de Michel war die einzige greifbare Abhandlung, die sich – vom Titel ausgehend – konkret mit „Camus‘ Stellung zum Todesphänomen“ beschäftigt. Allerdings haben sich die zugegeben sehr hohen Erwartungen, durch diesen Essay neue oder evtl. übersehende Aspekte zu entdecken, alternative Perspektiven zu erfahren und einen frischen Wind durch die bekannte Camus-Interpretation wehen zu lassen, leider nicht erfüllt.

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Camus und der Tod

Am 07. November 2013 würde Albert Camus, sofern er noch lebte, seinen 100. Geburtstag feiern können. Dieses Jubiläum ist ein guter Anlass, um sich (wieder) einmal mit den Gedanken auseinander zu setzen, die der leider viel zu früh verstorbene französische Literat und Philosoph über den Tod und das Sterben geäußert hat. Von einem weltzugewandten, fragenden Menschen wie Camus, für den „Angst, Tod, Todesangst […] Konstanten in der Kindheit [waren]“ (Sändig 2012, 25), der seine berühmte absurde Betrachtung Der Mythos des Sisyphos (1942) mit den programmatischen Worten beginnt „Es gibt nur ein wirklich ernstes Problem: den Selbstmord“ und der einen sehr ausführlichen, kritischen Essay über die Todesstrafe geschrieben hat (Die Guillotine, 1957), darf man zu diesen Themen doch wohl einiges erwarten – und man kann einiges lernen, wenn man sich etwas Zeit nimmt. ThanatoBlog führt im vorliegenden Artikel, nachdem bereits 2009 sein Roman „Der glückliche Tod“ beleuchtet wurde, kurz und bündig in die allgemeineren Grundzüge der Thanatologie Camus‘ ein.

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