Schlagwort-Archive: Sterben

Terry Pratchett „Choosing to die“

Der weltberühmte Fantasy-Autor Terry Pratchett – Verfasser der Scheibenwelt-Romane und Erfinder einer der wohl prägnantesten Anthropomorphisierungen des Todes, ist nach dem derzeitigen Stand der Medizin unheilbar krank. Im Jahr 2007 wurde bei ihm eine Form von Alzheimer diagnostiziert. Seitdem leidet er zunehmend unter den Symptomen der Krankheit, die ihn auch zusehends bei seiner Arbeit als Schriftsteller behindert. Seine eigene Zukunft antizipierend beschäftigt sich Pratchett in der 2010 gedrehten, 2011 veröffentlichten und hier vorgestellten Dokumentation mit der beängstigenden Frage, wie sein Leben zu Ende gehen soll. Dabei stehen für ihn grundsätzlich offenbar drei Möglichkeiten offen: (1) ein natürliches Ende, in der pflegenden Obhut seiner Ehefrau, (2) ein professionell betreutes, natürliches Ende in einem Hospiz, oder (3) ein assistierter Suizid, etwa begleitet durch die Schweizer Organisation DIGNITAS, da medizinische Hilfe zum Sterben – trotz mehrerer Änderungsversuche in den letzten Jahren – in Großbritannien weiterhin illegal ist. Ausgeschlossen scheint für den Autor hingegen ein „good old-fashioned suicide“, da er diese mit Schmerzen, großem Leid und der Furcht vor einem Fehlschlag zu verbinden scheint.

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phil.COLOGNE

Heute beginnt es, das erste „internationale Festival der Philosophie“. An diversen Plätzen in Köln treffen noch bis Sonntag Philosophen, Medien und die interessierte Öffentlichkeit zusammen, um gemeinsam über Probleme der Gegenwart nachzudenken und zu diskutieren. Die Themen sind vielfältig, rund vierzig Veranstaltungen listet das offizielle Programm. Leider findet sich darunter aber nur eine einzige, die sich explizit mit Fragen des Todes und des Sterbens auseinandersetzt: Am morgigen Donnerstag treffen im Kölner Stadtgarten ab 18 Uhr Johann Friedrich Spittler und Petra Gehring aufeinander und antworten auf die Frage „Gibt es ein Recht zu sterben?“

Leider gibt es keine genaueren Angaben zur Dauer bzw. zur Form des Aufeinandertreffens. Schade, denn man muss immerhin zwischen EUR 14,50 (ermäßigt) und EUR 20 (Abendkasse) für eine Eintrittskarte zahlen und würde eigtl. gern vorher wissen, was einen da nun genau erwartet. Ein omninöser Hinweis auf einen lesenden Schauspieler und den Moderator Jürgen Wiebicke reicht da einfach nicht. Ob mir diese Debatte (wenn es denn eine wird), den Eintritt wert ist, oder ob ich doch lieber noch einmal zu den Leseempfehlungen zur Veranstaltung greife, wird wohl erst spontan entschieden werden.

Andrzej Stasiuk „Kurzes Buch über das Sterben“

In einem blassem, reinem Weiß und einem handlichen, kleinen Format kommt sie daher, die schmale Geschichtensammlung des polnischen Autors Andrzej Stasiuk (*1960), und weckt mit ihrem bescheidenen Umfang mehr die Erwartung an einen typischen Gedichtband, als an eine Zusammenstellung von Prosa-Texten. Vier kurze Erzählungen hat Stasiuk in „Grochów“, so der polnische Originaltitel, vereint. Neben der eponymen Novelle findet der Leser hier auch die deutlich kürzeren Stücke „Großmutter und die Geister“, „Augustyn“ und „Die Hündin“ vor, von denen die letzten beiden ursprünglich jeweils 2012 in der Süddeutschen Zeitung erschienen sind. Der Suhrkamp-Verlag hat diese thematische Anthologie Stasiuks nun unter dem Titel „Kurzes Buch über das Sterben“ herausgebracht. Selten hat eine Bezeichnung so gepasst.

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